Noch 4 Tage: Mendelssohn verneigt sich vor Bach

Liebe Konzertgäste

Gestern Schumanns Weihnachtsgeschenk für Clara, heute die Musik seines Freundes Felix Mendelssohn: die Cellosonate Nr. 2 in D-Dur op. 58, vollendet 1843 in Leipzig. Eine Sonate voller Sonnenlicht, mit einem langsamen Satz, der sich tief vor Johann Sebastian Bach verneigt.

Mendelssohn und Bach

Bach war für Mendelssohn ein Lebensthema. 1829, mit zwanzig Jahren, brachte er in Berlin die Matthäus-Passion wieder zur Aufführung, zum ersten Mal seit Bachs Tod. In Leipzig, Bachs Stadt, setzte er sich für ein Denkmal ein, gab Benefizkonzerte dafür und bezahlte den Rest aus eigener Tasche. Am 23. April 1843 wurde es bei der Thomaskirche enthüllt. Im selben Frühling schrieb Mendelssohn die Cellosonate fertig.

Was Sie hören

Der erste Satz (Allegro assai vivace) stürmt los wie ein heller Sommermorgen. Der zweite (Allegretto scherzando) ist ein leichtfüssiges Spiel in h-Moll. Dann das Adagio: Das Klavier beginnt allein, mit einem Choral in breiten, gebrochenen Akkorden, als käme er aus einer Bach-Kantate. Das Cello antwortet nicht mit einer Melodie. Es spricht, frei und eindringlich, wie ein Sänger im Rezitativ. Das Finale (Molto allegro e vivace) bringt das Licht mit voller Kraft zurück.

Ihr Hörtipp für heute

Das Adagio der Sonate in einer historischen Aufnahme von 1939: Emanuel Feuermann am Cello, Franz Rupp am Klavier. Warten Sie auf den Moment, in dem nach dem Choral des Klaviers das Cello zum ersten Mal zu sprechen beginnt.

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Zum Vergleichen

Johann Sebastian Bach, die Chromatische Fantasie BWV 903, gespielt von Glenn Gould am Klavier. Hören Sie auf die freien, rezitativischen Passagen: Genau an diese Musik erinnern die Einwürfe des Cellos bei Mendelssohn, bis hin zu einem Anklang an den Schluss der Fantasie.

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Wussten Sie?

Eigentlich wollte Mendelssohn die Sonate seinem Bruder Paul widmen, der selbst Cello spielte. Gewidmet hat er sie dann dem Grafen Mathieu Wielhorski, einem ausgezeichneten Cellisten, den er im Sommer 1843 kennengelernt hatte. Und damit schliesst sich der Kreis zu gestern: Clara Schumann spielte die Sonate 1844 mit Wielhorski in St. Petersburg und lobte sein Spiel.

Morgen: Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen, das Duo hinter unserem Konzert.

Herzlich
Andreas Haefliger & Marina Piccinini

Das Duo

Marie-Elisabeth Hecker gewann 2005 in Paris den Rostropowitsch-Wettbewerb, als Erste in dessen Geschichte gleich mit dem ersten Preis und zwei Sonderpreisen. Martin Helmchen erhielt 2001 den Clara-Haskil-Preis; seine Aufnahme aller Beethoven-Klavierkonzerte wurde 2020 mit dem Gramophone Award ausgezeichnet. Die beiden sind verheiratet, spielen weltweit als Duo und leiten gemeinsam das Festival «Fliessen» in Brandenburg. Ihr neuestes Album «From Eastern Europe» (Alpha Classics, 2025): Spotify · Apple Music

Marie-Elisabeth Hecker & Martin Helmchen, Violoncello & Klavier
Sonntag, 18. Oktober 2026, 17.30 Uhr · Pfarrkirche St. Peter und Paul, Bürglen UR
Pay as you like (bar oder TWINT) · rund 70 Minuten, ohne Pause
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