Noch 6 Tage: Der Komponist, der fast vergessen wurde
Liebe Konzertgäste
Gestern Mozart und Beethoven, heute ein Name, den viele von Ihnen vielleicht zum ersten Mal hören: Mieczysław Weinberg. Am 18. Oktober erklingt seine Zweite Sonate für Violoncello und Klavier.
Ein Leben wie ein Roman
Weinberg wurde 1919 in Warschau geboren. 1939 floh er vor der deutschen Besatzung nach Osten; seine Eltern und seine Schwester wurden ermordet. In Moskau fand er in Dmitri Schostakowitsch einen Freund und Fürsprecher. «Ich zähle mich zu seinen Schülern, zu seinem Fleisch und Blut», sagte Weinberg, obwohl er nie formell bei ihm studiert hatte. 1953, auf dem Höhepunkt von Stalins antisemitischen Säuberungen, wurde er verhaftet und kam erst nach Stalins Tod wieder frei.
Die Zweite Cellosonate schrieb er 1958/59, angeregt vom grossen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch. Im ersten Satz singt das Cello eine weite, klagende Linie über glockenartigen Klängen des Klaviers. Im Andante spielt es mit Dämpfer, wie aus der Ferne. Und das Finale stürmt los, unerbittlich, mit rauen, volksmusikhaften Wendungen.
Ihr Hörtipp für heute
Diesmal können Sie die beiden Musiker selbst hören: Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen haben die Sonate 2025 auf ihrem Album «From Eastern Europe» eingespielt. Beginnen Sie mit dem Finale: Danach werden Sie den Namen Weinberg nicht mehr vergessen.
Das Finale anhören auf Spotify · Apple Music
Zum Vergleichen
Im selben Jahr, 1959, schrieb Schostakowitsch sein Erstes Cellokonzert, ebenfalls für Rostropowitsch. Hören Sie den ersten Satz und danach Weinbergs Finale: zwei Freunde, dieselbe Zeit, derselbe Cellist im Hinterkopf, und doch zwei eigene Stimmen.
Suchbegriff: Schostakowitsch Cellokonzert Nr. 1 Rostropowitsch
Wussten Sie?
Weinberg schrieb unter anderem 17 Streichquartette und die Oper «Die Passagierin» über eine KZ-Überlebende. Sie wurde erst 2010 bei den Bregenzer Festspielen szenisch uraufgeführt, Jahre nach seinem Tod, und löste die grosse Weinberg-Wiederentdeckung aus.
Morgen: ein Weihnachtsgeschenk von Robert an Clara Schumann.
Herzlich
Andreas Haefliger & Marina Piccinini
Das Duo
Marie-Elisabeth Hecker gewann 2005 in Paris den Rostropowitsch-Wettbewerb, als Erste in dessen Geschichte gleich mit dem ersten Preis und zwei Sonderpreisen. Martin Helmchen erhielt 2001 den Clara-Haskil-Preis; seine Aufnahme aller Beethoven-Klavierkonzerte wurde 2020 mit dem Gramophone Award ausgezeichnet. Die beiden sind verheiratet, spielen weltweit als Duo und leiten gemeinsam das Festival «Fliessen» in Brandenburg. Ihr neuestes Album: «From Eastern Europe» (Alpha Classics, 2025) auf Spotify · Apple Music
Marie-Elisabeth Hecker & Martin Helmchen, Violoncello & Klavier
Sonntag, 18. Oktober 2026, 17.30 Uhr · Pfarrkirche St. Peter und Paul, Bürglen UR
Pay as you like (bar oder TWINT) · rund 70 Minuten, ohne Pause
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